Elevinnen verzaubern bei Ballettgala

Sie können es halt einfach. Und zeigen das gerne auch vor großem Publikum. Am Wochenende ging – wie alle zwei Jahre – die große Ballettgala des Herzogenauracher Ballettstudios Kreiner in der Fürther Stadthalle über die Bühne. Eine Leistungsschau, die gute Laune machte.

Wer weiß, wie Balletttanz „funktioniert“, kann ermessen, wie viel Arbeit in einem gut zweistündigen Ballett-Bilderbogen steckt, der scheibchenweise alle Genres vom klassischen Handlungsballett bis zum modernen Hip Hop und Jazzdance umfasst. Und wundert sich dann auch nicht mehr, dass das Ballettstudio Kreiner einen solchen Kraftakt nur im Zweijahresrhythmus zu stemmen vermag. Immerhin wollen ja auch möglichst viele Elevinnen und Eleven des Studios integriert sein – von der Bambini-Klasse bis zu den „Alten Hasen“, deren Gesichter man zum Teil seit Jahren kennt.

Der erste Teil der Gala war in diesem Jahr so gut wie ausschließlich den Jüngeren und Jüngsten reserviert, die, eingebettet in eine bunte Kindergarten-Rahmenhandlung, ihr Können zeigen durften. Das bedeutete feine Musik (vom Band) zwischen Gioacchino Rossinis „Zauberladen“, Camille Saint-Saëns’ „Danse Macabre“ und sogar der Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß, verbunden mit einem vielfarbigen Kostümreigen, von dem die lebenden „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Kegel und die schrägen „Putzfeen“ besonders scharf umrissen im Gedächtnis blieben.

 

Sehenswert auch zwei spannende Soli: Charlotte Kröner setzte zur David-Garrett-Version von „Tico Tico“ die Schwerkraft zeitweilig außer Betrieb; Sarah Litz wurde zur Aufzieh-Puppe wie in den dunklen Märchen des 19. Jahrhunderts und sorgte für einen leisen Hauch von Gänsehaut.

Den kann man auch in den neonkalten Straßenschluchten spüren, aus denen die Tänze des zweiten Gala-Teils überwiegend stammten. So wurde etwa der Beweis angetreten, dass Lindsey Sterlings „Roundtable Rival“ und die Chiffren des klassischen Handlungsballetts durchaus zusammenpassen können, dass Mark Ronsons „Uptown Funk“ ein genuiner Jazzdance-Soundtrack ist und dass man aus Megan Trainors heiterem Popsong „Dear future Husband“ eine hübsche Stepptanznummer machen kann. Ehe es mit Loreens „Euphoria“ und Kenny Loggins’ „Footloose“ ins furiose Finale ging, zeigte Maria Hofmeister, was möglich ist, wenn man dran bleibt, wenn man dem Tanz einen vorderen Platz im Leben einräumt: Das Solo der jungen Tänzerin auf Hozirs kämpferische Ballade „Take me to Church“ erzählte ganz ohne Worte, aber extrem plastisch von emotionalen Stürmen und Seelenschmerzen und beeindruckte nachhaltig. So mitreißend und anrührend kann Ballett sein.

Hans von Draminski / NN Herzogenaurach